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Blick auf die Herzofstraße und Bahnhofstraße

Alter Bahnhof Meppen
Postkarte Repro (Bild 8)

Umschlagplatz für Gefangene und Zwangsarbeiter

Der Bahnhof Meppen in den Jahren 1939 bis 1945

Von Manfred Josef Fickers M. A.

Der Bahnhof Meppen und seine Bedeutung im Zweiten Weltkrieg

Kriegsgefangene, Konzentrationslagerhäftlinge und Zwangsarbeiter sind im Zweiten Weltkrieg über den Bahnhof Meppen auf Lager und Arbeitsstellen verteilt worden. Denn hier zweigte nicht nur die Meppen Haselünner Eisenbahn (MHE) von der Hauptstrecke der Deutschen Reichsbahn (DR) ab. Die Friedrich-Krupp AG, Schießplatz Meppen, betrieb eine Privatbahn mit Anschluss an den Bahnhof. Auf der anderen Seite der Ems, im Stadtteil Esterfeld, war am Fluss die Endstation der Schmalspurbahn des Heseper Torfwerks (HTW). Sie war mehr als eine Werkbahn, denn sie erschloss durch Personen- und Gütertransport auch die Dörfer am und im Bourtanger Moor im Kreis Meppen. Beim Torfwerk in Groß Hesepe war sie mit dem Feldbahnsystem gleicher Spurweite der Staatlichen Mooradministration verknüpft, die wiederum Gleisanaschlüsse bis in den Emslandlager VIII Wesuwe, IX Versen, X Fullen, XI Groß Hesepe, XII Dalum, XIII Wietmarschen, XIV Bathorn und XV Alexisdorf betrieb. Vom Bahnhof Meppen galten die Lager VIII Wesuwe, IX Versen und X Fullen als per Fußmarsch erreichbar. | Zum Öffnen der Karte der Emslandlager hier klicken! |

Blick auf die Herzofstraße und Bahnhofstraße

Herzog-/Bahnhofstraße
(Orig. Bild 11 bearbeitet)

Nachdem am 21. Januar 1941 nach Tauwetter Hochwasser mit Eisgang die hölzerne Emsbrücke zwischen Dalumerfähr und Geeste zerstört hatte, fiel der Bahnhof Geeste für die Transporte in die Lager XII Dalum und XI Groß Hesepe aus. Dalum wurde danach meistens über den Bahnhof Lingen und die Feldbahn der staatlichen Moorverwaltung vom Lager XIV Bathorn angebunden und Groß Hesepe an Meppen, wobei wegen der Entfernung auch die HTW-Bahn genutzt worden ist. Gefangenenkolonnen zogen von der Laderampe des Bahnhofs an der Königstraße über den Bahnübergang Haselünner Straße, die Bahnhofstraße, die Hubbrücke, die Hasestraße, die Emsstraße und die Emsbrücke, wo sich dann in Esterfeld die Wege zur HTW-Endstation über die Esterfelder Stiege und über den Schullendamm zu den Lagern über die Fullener Straße (Lager X Fullen) und die Versener Straße (Lager VIII Wesuwe und IX Versen) gabelten.

Wurden Häftlinge per Bahn verlegt, ging es in die umgekehrte Richtung. Das Hin- und Her der Gefangenenkolonnen dürfte ein alltäglicher Anblick für die Meppener gewesen sein.  1  Wie viele ihrer Freiheit beraubter Menschen kamen am Bahnhof Meppen an oder wurden von hier weitertransportiert?

Der Forschungsstand

Zwar gibt es keine genauen Belege zu den einzelnen Bahntransporten, aber es sind Informationen zu den Ankünften und Verlegungen von Gefangenengruppe in den Emslandlagern bekannt. Leider weisen zwei grundlegende Forschungsarbeiten bezogen auf den Bahnhof Meppen Lücken auf. Karl Liedtke hat in seinem Artikel „Völkerrecht und Massensterben – Die Kriegsgefangenenlager im Emsland und in der Grafschaft Bentheim 1939 – 1945“ das Schicksal niederländischer Kriegsgefangener nicht erwähnt. Martin Koers konzentrierte sich in seinem Artikel „Zwangsarbeitertransporte und niederländische ‚Zivilarbeiter‘ bei der Bentheimer Eisenbahn“ auf das Geschehen in der Grafschaft Bentheim. Der Bahnhof Meppen und der Betrieb bei der MHE finden nur am Rande Erwähnung.  2 

Aber es gibt weitere Veröffentlichungen und Quellen, die den erheblichen Umfang der über den Bahnhof Meppen abgewickelten Menschentransporte belegen. So ist Meppen in der Dissertation von Martin Koers: „Sowjetische Kriegsgefangene in den Lagern des Emslandes und der Grafschaft Bentheim 1941 – 1945. Lebens- und Arbeitsbedingungen“ häufig erwähnt.  3 

Und es gibt Zeitzeugenberichte von Gefangenen und Meppenern, die die Umstände der Transporte und Märsche schildern.